Progressiv-Schach

Beim Progressivschach steigt von Halbzug zu Halbzug die Anzahl der Züge, die eine Partie machen kann: Zuerst zieht Weiß 1x, dann Schwarz 2x, dann Weiß 3x, dann Schwarz 4x usw.

Eine Ausnahme davon gibt es nur dann, wenn eine Seite Schach bietet; sobald diese geschieht, verfallen für diesen Zug sämtliche weiteren Züge.

Der En-Passant-Zug gilt nur dann, wenn der letzte der Teilzüge der Doppelschritt des Bauern war. Davon abgesehen gelten alle vom Schach bekannten Regeln.

Eine kommentierte Beispielpartie:

Hegermann - Sames, 2004
1.e4				
Dieser Zug stellt bereits eine Mattdrohung dar, auf z.B. 2.e5 d6? würde folgen: 3.Df3 Lc4 Dxf7#
2.e5 d5				
Eine der stärkesten Erwiderungen. Auch gut ist 2.e6 Sf6 oder die "chinesische Zange" 2.d5 f5.
3.d4 Lg5 Lxd8				
Spätestens ab Zug 5 sollten die Damen nicht mehr auf dem Brett sein, weil dann fast immer ein Matt 
möglich ist!
4.Lg4 Lxd1 Kxd8 exd4	
Schwarz nimmt ebenfalls die Dame.
5.Sc3 Lc4 Txd1 Txd4 Txd5+
Weiß entwickelt Figuren und bläst zum Angriff.
6.Ke7 Sf6 Sxd5 Sxc3 b5 bxc4

7. Kd2 Kxc3 Kb4 Se2 Sg3 h4 Sf5+
Ein Manöver, das selten gelingt und fast immer zum Erfolg führt: Weiß gibt Schach und zwingt
den schwarzen König, auf die Seite zu gehen und selbst ein Abzugsschach zu geben.
8. Kd7+
Da die anderen 7 Züge verfallen, erleidet Schwarz damit nicht wieder gutzumachenden Rückstand.
9. Kb5 h5 h6 hxg7 gxf8D Sg7 Td1#
1:0

Einige historische Partien vom 8. und 9. Progressivschachturnier

Deutschland 1987
Bär - Vater
1.Sf3
2.e6 f5? 
der empfohlene Zug ist Le7
3.Sg5? Sf7? Sxd8??
4.Lc5! Sf6! Sg4 Lxf2#
8. Progressiv-Schach-Turnier 1990
Stegmann - Reimann
1.e3
Verhindert schnelle Mattüberfälle
2.Sc6 Sh6
Zweispringerspiel, gilt neben 2.e6 Le7 oder f6 als beste Antwort, obwohl Weiß sofort die 
Achillesferse f7 unter Beschuß nehmen kann
3.c3 g3 f4! 
Ein listiger Aufbau, der sich als sehr nachhaltig herauskristallisiert. 
Natürlich ist man versucht, mit 3.Sh3 Lc4 Lxf7+ sofort drauflos zu schlagen, doch nach 
4.Kxf7 d6 Lg4 Lxd1 ist das schwarze Spiel in Ordnung
4.Sg4? Sxe3? Sxd1? e6
Schwarz holt sich die Dame, vergißt aber nicht, einen Verteidigungszug einzuschalten. Dennoch 
ist der Damengewinn nicht viel wert.
5.Sf3 Se5 Sxc6 Sxd8 Kxd1
Weiß holt sich das beste Stück zurück. Seine Stellung ist praktisch unangreifbar, 
es wird schwer für Schwarz.
6.Ld6? Lxf4 Lxd2 Lxc1 Lh6 Kxd8
Schwarz versucht, eine Bresche in die weiße Stellung zu schlagen, soviel Material wie 
möglich zusammenzuraffen und die eingedrungenen gegnerischen Figur zu entfernen.
7.Kc2! Sa3! Sb5 Sd6! Te1! Txe6!! Sxf7#
Zunächst macht der König den Platz für den Turm frei, dann erwacht der scheinbar 
schlafende Sb1 zu unerwarteter Aktivität und galoppiert bis nach
d6, der Turm öffnet die e-Linie, wonach der Springer zum Helden des Tages wird
9. Progressivschachturnier 1991

Richner - Illing 1.e4 2.e5? d6?? Der Gute hat offenbar noch nie vorher gespielt 3.Lc4 Df3 Dxf7# Illing - Müller 1.e4 2.f5, d5 Die chinesische Zange, setzt Weiß unter Druck 3.La6? Lxb7? Lxa8?? Das war die wohl die 2. Partie von Herrn Illing 4.Dd7! Db5! La6! Df1# Sicker - Müller 1.e4 2.d5 f5 3.d4 e5 Sc3 Alternativen: f4,e5,d4 oder lebhaft Sc3, d4, Lb5+ 4.Sh6, f4, Lg4? Lxd1? 5.Sxd5! e6! Kd2!! Kc3! Sxc7+!! Weiß stellt seinen König nach c3, damit der Springer nun mit Schach geschlagen werden muß. Dananch wechselt das Zugrecht und Weiß kann in aller Ruhe mattsetzen. 6.Dxc7+ 7.Kb4 d5 d6 dxc7 c8D#

Bisherige Turniere von Spielern unseres Vereins

Letzte Aktualisierung: November 2016